24 Stunden in Moshi

Wie sieht eigentlich der Alltag in Tansania aus? 

– Ein Einblick in das Leben der Einheimischen –

 

 

– Moshi

die Stadt am Fuße des Kilimanjaro hat ca. 150.000 Einwohner. Viele Touristen schenken der Stadt selbst kaum Beachtung, da die meisten wegen des Kilimanjaro oder einer Safari im Serengeti Nationalpark anreisen.  So ging es mir selbst nämlich auch bei der ersten Reise nach Tansania. Einmal nach Moshi fliegen, ins Hotel einchecken und schon ging es zum Kilimanjaro Trekking am nächsten Morgen. Im Anschluss an die Tour folgte direkt der Flug nach Sansibar, denn so war das Paket von Wikinger Reisen gestrickt.

Was hat Moshi zu bieten und wie leben die Einheimischen in Tansania?

 Fragen, die mich – zurück in Deutschland – immer wieder beschäftigt haben. Daher wollte ich bei meiner Rückkehr nach Tansania mehr vom Land und den Leuten erfahren, mehr von Moshi sehen und die Umgebung erkunden. Vor allem fand ich es spannend wie die Einheimischen dort ihren Alltag leben, wie sie kochen oder wo sie einkaufen.  Moshi selbst hat nicht viele Sehenswürdigkeiten. In der Umgebung gibt es jedoch einige Highlights, die es sich lohnt anzuschauen. Darüber berichte ich in Kürze ausführlich 🙂 . Doch trotzdem gibt es einiges was man in der Stadt sehen kann und nicht verpassen sollte.  Neben vielen Cafés und Restaurants, die zum Essen einladen und Märkten mit  frischen tropischen Früchten, ist eines der Highlights die Stadt an sich.  Es ist das Treiben, das Gewusel der Stadt, was sie ausmacht. Viele Frauen haben ihr eigenes Business gegründet und verkaufen selbstgenähte bunte Kleider. Die Stadt lebt mit den vielen Menschen.

Schon 2011, als ich das erste Mal eine Freundin in den USA besuchte, merkte ich, dass mich nicht
 nur das Reisen
an sich reizt. Meine Freundin war Au Pair in der Nähe von New York City und klar, NYC war ein absolutes
Highlight für mich. Noch nie war ich so weit von zu Hause entfernt und noch nie war ich in einer vergleichbaren
Stadt wie NYC. Sightseeing und Co., der Blick zu den Wolkenkratzern, die so hoch waren, das mir die Spucke weg blieb.
Trotzdem fand ich es mit am spannendsten den Alltag in der Gastfamilie mitzuerleben. Wie ist der Tagesablauf?
Wie wird gekocht? Die anderen Gewohnheiten, die kulturellen Unterschiede und auch das „Hinter die Kulissen“ – Blicken,
das wirkliche Leben im Land mitzuerleben, was dem gewöhnlichen Touristen verborgen bleibt.
Das war für mich am interessantesten.

Und so war es auch in Tansania.

Mich reizte das Leben der Einheimischen, der ganz normale Alltag in Moshi.  Ich wollte das pulsierende Treiben auf den Märkten spüren und die Gerüche  und Eindrücke mit allen Sinnen in mich aufsaugen. Ich wollte das reale Afrika erleben, in die tansanische Kultur voll und ganz eintauchen und die Touristen-Brille ablegen. Ich hatte den Wunsch den Markt  zu besuchen, zu dem unser Guide Dullah für gewöhnlich geht um seine täglichen Lebensmittel zu kaufen. Und genau, es war nicht der große, auffällige Markt, der jedem bei Ankunft ins Auge springt.

Moshi kann mehr als nur Kilimanjaro und Safari 

Für den nächsten Morgen verabredeten wir uns mit unseren Freunden. Wir brannten darauf endlich loszuziehen und die Stadt zu erkunden. Was macht man also 24 Stunden in der tansanischen Stadt, wenn man nicht den Kilimanjaro besteigen will? Wie mag wohl der Alltag aussehen?

Vom Balkon hatten wir an diesem Morgen eine fantastische Aussicht auf den Kilimanjaro. Es war fast ein bisschen emotional diesen einzigartigen Vulkan wiederzusehen. Die Sicht auf den Kili ist nicht immer so klar. Meistens ist er in Wolken gehüllt. Am frühen Morgen sowie am späten Nachmittag hat man allerdings eine gute Chance ihn in seiner ganzen Pracht zu sehen.

>> Meinen persönlichen Erfahrungsbericht und allen Fakten zum Kilimanjaro Trekking findest du übrigens hier. <<

Nach dem Frühstück trafen wir Dullah, und liefen mit ihm in Richtung Stadtzentrum. Die Straßen waren nicht geteert, lediglich die Hauptstraße war einigermaßen in Schuss. Große Schlaglöcher gab es aber auch hier immer wieder. Wir schlenderten durch die Straßen, wurden von jedem angeschaut. Menschen saßen am Wegesrand, Frauen trugen allerlei auf ihren Köpfen durch die Straßen. Für uns war das alles hochspannend, aber nicht weniger spannend waren wir für die Einheimischen. Kinder rannten auf uns zu, lachten uns an und versuchten mit uns zu sprechen. Ein herzliches Mambo beantworteten wir mit „Mambo Poa“ – was so viel heißt wie „Na alles klar – Ja alles cool“.  Wir versuchten uns halbwegs auf Englisch und Swahili zu verständigen, was mehr oder weniger gut klappte, denn unser Swahili ist recht schlecht:D Mit Hilfe von Dullah klappte es einigermaßen.

Zuerst besuchten wir einen Markt, der sehr klein war und auf dem weit und breit keine Touristen zu sehen waren. Wahnsinn- wie authentisch! Ein toller Moment, einen so realen Einblick in eine Kultur zu erhalten, die unserer westlichen Welt so gar nicht ähnelt. Hier wird jeden Tag frisch eingekauft, denn Kühlschränke gibt es natürlich nicht. Frisches Obst, leckeres Gemüse und Gewürze wurden in großen Säcken oder auf Holzbrettern verkauft. In der Metzgerei hing das Fleisch am Stück nach unten. Gekühlt wird hier – wie zu erwarten war – nichts.

In der Old Town von Moshi – trafen wir auf weitere bekannte Gesichter. Juma, einer unserer Porter lud uns in sein Büro ein, welches eine offene Blechhütte war. Sein Tisch war eine Holzbox, die einer Weinkiste ähnelte. Die Stühle bildeten zwei große Steine und ein Stückchen Pappe. Juma arbeitet hier, sofern er nicht am Berg ist, den ganzen Tag und stellt Schuhe aus Gummireifen her. Diese sind bekannt als die Schuhe der Massai. Mit sehr viel Geschick bemalte er die Flip Flops und kurze Zeit später waren wir stolze Besitzer von Massai Schuhen.

Gegen Mittag hatten wir uns vorgenommen mit den beiden nach Hause zu fahren um etwas zu kochen.  Die erste Frage, die sich stellte, war: Wie kommen wir von der Stadt zu Dullahs Haus? Die zwei Jungs besitzen beide ein Motorrad – eine weitere typische Einnahmequelle in Tansania.  In Moshi ist das Motorrad eins der Hauptverkehrsmittel. Es wird von den Einheimischen wie ein Taxi benutzt um schnell von A nach B zu kommen. Eine Fahrt ist jedoch nicht grade ungefährlich und forderte etwas Überwindung. Sollten wir jetzt echt ohne Helm mit einem 15 Jahre alten Motorrad durch die Gegend düsen? Und das in Tansania, wo es ständig zu Unfällen kommt? 

Life begins at the end of your comfortzone !

 

Erst etwas ungläubig und skeptisch, war nach ein paar Minuten klar, das wird jetzt so gemacht.   Das Zitat kam mir direkt in den Sinn.  Wir vereinbarten, dass die beiden langsam fahren und setzen uns auf das Bike. Mit einem anfänglich noch mulmigen Gefühl, war spätestens nach der zweiten Fahrt der Abenteurer in mir wach und hatte alle Ängste vergessen –

HELL- YEAH – I love it!“. Als hätte ich nie was anderes gemacht….

Kochen auf dem Boden? Ohne Strom? Keine Duschen – ist das Normalität?

Dullah lebt in einem Wohnkomplex, in dem er zwei kleine mini Zimmer sein Eigen nennt. Ausgestattet mit einer Couch, einem kleinen Fernseher sowie einem separaten Schlafzimmer, geht es ihm verhältnismäßig gut. Das freut uns sehr, denn damit hatten wir nicht gerechnet. Strom ist in seiner Miete enthalten und auch fließend Wasser gibt es. Er lebt mit mehreren Parteien zusammen, die eine Art Familie bilden. Eine schöne Atmosphäre.  Alles wird mit jedem geteilt. Selbst die Toiletten, die sich draußen befinden.  Natürlich sind das keine europäischen Toiletten, sondern Steh-Toiletten ohne Spülung. Gespült wird, wie auch in vielen asiatischen Ländern, mit einer Schüssel Wasser. In der Mitte befindet sich eine Art Hof, in dem gekocht, gewaschen und auch mal das Motorrad geparkt wird.  Außerdem ist hier der Wasseranschluss, an dem sich die Parteien ihr Wasser zapfen. Duschen gibt es nicht wirklich . Hier wird sich ganz einfach mit einer Schüssel Wasser gewaschen. Verrückte Welt – aber es funktioniert.

Bei unserer Ankunft werden wir gleich von den Kids beschlagnahmt. Sie finden uns total interessant und albern mit uns herum.

Unglückliche und von Armut gezeichnete Gesichter?  Fehlanzeige! Die Menschen strahlen, lachen, sind ausgelassen und sehr fröhlich. Die Kinder spielen mit selbst gebastelten Spielzeugen und rennen um die Wette. Obwohl man die ärmliche Atmosphäre der Einheimischen spüren und auch sehen kann, war jeder sehr herzlich und dankbar für das was sie haben.

Große Dankbarkeit, von der wir uns in unserer Welt wirklich eine Scheibe abschneiden können. Beschwerden über das beschwerliche Leben, dass die Tansanier führen, habe ich nicht einmal gehört!  Stattdessen tanzen sie ausgelassen und machen aus jedem Tag das Beste. Ein Privileg, das für uns so viel leichter umzusetzen ist, als für manche Tansanier, aber doch so oft vergessen wird.

Wir kochten uns ein wunderbares Essen ,mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln. Auf dem Boden sitzend, schnippelten wir ohne Bretter die Kräuter, das Gemüse sowie die Früchte für den Nachtisch – okay, wenn wir ehrlich sind, hat Juma geschnitten, denn es ist verdammt schwierig, ohne Brett und mit einem scharfen Messer eine Zwiebel in der Hand zu schneiden 😀

Hat das einer von euch schon mal versucht?

Dazu gab es frische Avocado und selbstgebackenes Chapati Brot – Oh Yummy! Food Himmel Olé – und das für ganz wenig Geld unter bescheidenen Umständen.

Ein weiteres Highlight in Moshi war der Besuch im Supermarkt. Hier kann man deutlich erkennen, wie sehr sich das Leben der Einheimischen von unserem privilegierten Standard unterscheidet.  Die Lebensmittel in der tansanischen Supermarktkette Nakumatt sind für kaum einen Einheimischen bezahlbar.  Der Supermarkt war fast leer und wir haben hier hauptsächlich Inder, Touristen und nur sehr vereinzelt Einheimische  gesehen.  Ich finde Supermärkte in anderen Ländern immer hochinteressant und sehe gerne, was andere Länder in ihrem Sortiment haben. Jedoch waren die Preise, selbst für unseren Standard, extrem überteuert und wir kauften außer Kaffee als Souvenir nichts weiter ein.  Einen lohnenswerten Einblick bekommt man aber in jedem Fall.

Der Alltag in Moshi mag  einfach sein und oftmals recht eintönig. Die Einheimischen haben einen geregelten Tagesablauf, der sich nur saisonbedingt verändert. Für uns war es eine wahnsinnige Erfahrung hinter die „Kulissen“ zu blicken, mit den Jungs zu kochen und uns ein bisschen selbst wie Einheimische und nicht mehr wie Touristen zu fühlen. Ich bin sehr dankbar für diese wunderbare Erfahrung und die eindrucksvollen Erlebnisse in Moshi.  Mir ist wieder einmal vor Augen geführt worden, wie gut wir es in unserem Land haben und welches Glück wir haben,  in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz geboren worden zu sein.   Wir haben alle Möglichkeiten der Welt um uns unser Leben, nein sogar jeden einzelnen Tag,  so zu gestalten wie wir es uns wünschen und können wahnsinnig dankbar dafür sein.  Manche Menschen haben dieses Privileg einfach nicht. Ich habe in dieser kurzen Zeit sehr viel über mich selbst gelernt und  freue mich auf künftige Reisen in dieses inspirierende Land. Falls du je die Chance hast nach Tansania zu reisen, kann ich es nur wärmstens empfehlen und plane gerne 1-2 Tage in Moshi ein.  Die Stadt eignet sich nicht nur hervorragend als Ausgangspunkt für ein Trekking am Kilimanjaro oder am Mount Meru, sie bietet auch den perfekten Startpunkt für eine mehrtägige Safari.

 

 

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3 thoughts on “24 Stunden in Moshi

  1. Hallo Stefanie,

    sehr schön geschrieben. Da ich, wie Du weißt Moshi auch schon dreimal besucht habe, habe ich gleich die passenden Bilder zu Deinen Beschreibungen im Kopf. Das macht echt Spaß auf Deinem Blog zu lesen.

    Wikinger Reisen ist übrigens auch der Veranstalter, der mich nach Tansania gebracht hat 😉 Seit der ersten Kilimanjaro-Tour habe ich schon so einige weitere Touren mit dem damaligen deutschen Guide unternommen. Da hat sich echt ne Freundschaft daraus entwickelt.

    Im Herbst gehts wieder zusammen nach Nepal. Das wär bestimmt auch für Dich spannend.

    Grüße.

    Christian

    • BlondeForAdventure says:

      Hey Christian, vielen lieben Dank für deinen Kommentar 🙂 Das freut mich, dass du die Orte wiedererkennen konntest. Moshi ist eine wirklich sehenswerte Stadt und gibt einen schönen ersten Eindruck in die afrikanische Kultur.
      Das klingt wirklich schön mit deinem Guide. Wir hatten nur ortskundige Guides auf unserer Tour. Und jaa, du hast Recht – nach Nepal möchte ich unbedingt noch. Wo genau verschlägt es euch hin? Am Everest Base Camp warst du ja schon 🙂
      Liebe Grüße, Stefanie

      • Hi,
        dieses Mal gehts auf den Manaslu-Circuit. Einmal um den 8.000er drumherum. Zusätzlich geplant sind auf der Tour ein 5.000er Trekkinggipfel und wenn alles klappt ein knapper 6.000er Gipfel als Bergbesteigungen.
        Der Manaslu-Circuit liegt in direkter Nachbarschaft zur Annapurna-Umrundung. Die habe ich nach dem Everest-Trek vor ein paar Jahren auch schon gemacht.
        Nepal ist ein faszinierendes Land.
        Liebe Grüße.
        Christian

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