Mount Meru – der unterschätzte Berg

Nach 3 Monaten zurück nach Tansania  – „Why not“?

 

Die Besteigung des Mount Meru im Arusha Nationalpark

 

Die Ankunft zurück in Deutschland

„Uff – Kulturschock“ dachte ich bereits, als ich noch in Tansania war – „die Rückkehr wird richtig schwer“. Ich hatte schon oft das Problem, dass mir nach Reisen das Wiedereingewöhnen in den deutschen Alltag schwerfiel, aber dieses Mal sollte es besonders hart werden. Die Ankunft war wie erwartet. Schon am Flughafen in Frankfurt war alles – wie immer – gewohnt strukturiert.

Neeeein ich will das nicht“ schrie alles in mir. „Lass mich zurückfliegen“ – „Haha“ – sagte meine innere Stimme: „du lebst aber hier in Deutschland, hier ist deine Familie und ZURÜCKFLIEGEN ist jetzt halt nicht! Komm damit zu Recht“. So, das saß. Also das Ganze wie immer, zu Hause ankommen, Familie begrüßen, zur Arbeit gehen.

 

 

Wahrscheinlich kennst du das Gefühl, sich nach einer Reise wieder im Alltag einzuleben, kann verdammt schwer sein. Meistens hatte ich es aber nach 2 spätestens nach 3 Wochen „geschafft“, wieder anzukommen. Dieses Mal gab es einen kleinen Unterschied: Das Bedürfnis zurückzufliegen ließ einfach nicht nach. Es verfolgte mich bereits auf Sansibar und wurde von Tag zu Tag größer.

Nur wenige Tage nachdem wir den ersten Fuß aus der Boeing der Ethiopian Airlines gesetzt hatten, fiel zwischen mir und meiner Freundin das Stichwort „Mt. Meru“. Zunächst war der Gedanke den zweithöchsten Berg Tansanias zu besteigen nur scherzhaft gedacht. Wer denkt schon darüber nach, 3 Tage nach Ankunft in Deutschland und dem Abenteuer seines Lebens, der erfolgreichen Besteigung des Kilimanjaro, zurückzufliegen um einen weiteren Berg in Tansania zu erklimmen?

Ja richtig, das wäre dann ich. Hallo – schön dich kennenzulernen

 

Meine Familie hielt mich für verrückt, meine Arbeitskollegen waren erstaunt und irritiert warum es unbedingt nochmal Tansania sein musste. Fragen wie „Da warst du doch erst?“ oder „Wieso reist du nicht mal in ein anderes Land?“ wurden mir gestellt. Umso mehr Menschen in meinem Umfeld von der Reise wussten und mir kritische Fragen stellten, desto sicherer wurde ich mir, dass ich das richtige tat. Das bunte Treiben Tansanias, die Herzlichkeit der Menschen, die so wenig besitzen und trotzdem alles mit dir teilen und ihre pure Lebenslust gingen mir nicht aus dem Kopf.

Meine Freundin saß im selben Boot wie ich und wurde sofort hellhörig. Nur kurze 2 Wochen später saßen wir an meinem Geburtstag im „Kilimanjaro“ Restaurant in Frankfurt und beschlossen unseren Plan in die Tat umzusetzen. Ganz getreu dem Motto unseres Guides „Why not?“ – wir können doch!

Das schönste Geburtstagsgeschenk, das ich mir selbst hätte machen können.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Allgemeines über den Mount Meru

 

Der Meru ist der zweithöchste Vulkan Tansanias und ist 4.565m hoch. Er befindet sich im Arusha Nationalpark und ist vor allem als der Berg zur Vorakklimatisierung für darauffolgende Besteigungen des Kilimanjaro bekannt. Das Besondere an einem Trekking am Meru ist die Kombination aus einem Höhentrekking und einer Art Walking Safari. Bis auf eine Höhe von circa 3.000 Höhenmeter hat man die Chance Giraffen, Büffel und Elefanten zu sehen. Aus diesem Grund wirst du, abgesehen von deinem persönlichen Guide, von einem bewaffneten Ranger begleitet.

Die beste Reisezeit ist ab Dezember bis Februar.  Es ist die kleine Trockenzeit. Dagegen nicht zu empfehlen ist November, da hier die kleine Regenzeit vorhergeht. Die große Trockenzeit ist von Juli bis Mitte/Ende Oktober.  Von Januar bis Ende Februar sind die Temperaturen am wärmsten. Vor allem in dem Zeitraum soll eine gute Sicht auf den Kilimanjaro möglich sein.

Der Start der Touren ist am Momella Gate und führte uns innerhalb von 2 Tagen auf den Socialist Peak, den höchsten Punkt des Meru. Die Entscheidung zur passenden Route wird dir am Mt. Meru abgenommen. Es führt nur ein Weg auf den Gipfel. Es gibt jedoch die Möglichkeit den Meru innerhalb von 3 oder 4 Tagen zu besteigen. Bei der 4 Tage-Tour wird der Abstieg in zwei Etappen eingeteilt. Alternativ werden auch Tagestouren mit einer Übernachtung in der Miriakamba Hut angeboten.

 

 

Trekking-Check: So verläuft eine Tour am Mt. Meru

 

  • Tag 1: Momella Gate (1.500m) – Miriakamba Hut (2.500m) (Gehzeit circa 5-6 Stunden)
  • Tag 2: Miriakamba Hut – Saddle Hut (3.500m) (Gehzeit ca. 4-5 Stunden)
  • Tag 3: Saddle Hut – Socialist Peak (4.565m) mit anschließendem Abstieg bis zur Miriakamba Hut (2.500m) oder direkt zum Momella Gate (1.500m) (Gehzeit ca. 10-13 Stunden)
  • Tag 4: Miriakamba Hut – Momella Gate (Gehzeit circa 3 Stunden)

 

Die Vorbereitung

 

Nachdem wir den Gipfel des Kilimanjaro schon Unser nennen konnten, fiel die Vorbereitung für den Meru recht leicht. Alle Impfungen waren erledigt. Die Ausrüstung besaßen wir auch schon. Also rein psychisch war die Vorbereitung kein Thema mehr. Wenn in der Beschreibung des Berges nicht stände, dass dieser „technisch anspruchsvoller“ als sein großer Bruder sein soll.

 

Technisch anspruchsvoller – was heißt das denn jetzt bitte?

 

Das bedeutete vor allem, dass die Wege steiler waren. Bei täglichen 1.000 Höhenmetern, die man absolvieren musste, habe ich das durchaus gemerkt. Am Kilimanjaro waren solche Höhenunterschiede nur am ersten Tag und in der Gipfelnacht der Fall. Abgesehen davon, waren die Wanderwege schmäler, es gab mehr Treppen zwischendurch sowie kleinere Kletterpassagen in der Gipfelnacht. (Vergleich gilt nur für die Rongai Route am Kilimanjaro)

 

 

Also hatten wir uns vorgenommen regelmäßige Ausdauertrainings vor der Reise durchzuführen. Ich bin neben meinen üblichen Klettertagen (einmal wöchentlich), noch einmal die Woche auf’s Laufband bzw. auf‘s Fahrrad im Fitnessstudio gegangen.

Geprägt durch das Trekking am Kilimanjaro, habe ich wenig Gedanken an die Vorbereitung für den Mt. Meru „verschwendet“. Wichtig war mir, dass ich meine gründlich recherchierte Packliste durchgehe und nützliche Gegenstände für den Alltag am Berg wie z.B. Feuchttücher einpacke. Um unserem Team ein angemessenes Trinkgeld in bar übergeben zu können, haben wir ausreichend US $ in unserer Hausbank vorbestellt.

Als Fazit kann ich bestätigen, dass zur Vorbereitung ein moderates Ausdauertraining für den Aufstieg ausreicht. Das Tempo ist der Höhe angepasst und ist langsam. Das Motto: „Pole Pole“ (swahili: langsam langsam) gilt auch an diesem Berg. Tägliche Höhenunterschiede von 1.000 m sollten für dich aber kein Problem darstellen. Die Gipfelnacht ist anstrengend und eine gute Kondition ist für diese Etappe mit anschließendem Abstieg notwendig.

 

 

Die Ankunft in Moshi

 

Am 3. Februar sind wir am International Kilimanjaro gelandet. Mit dem ersten Schritt aus dem Flugzeug waren wir wieder in einer anderen Welt. All die Gerüche von frischen Gewürzen, Hitze, Dürre, aber auch blühenden Pflanzen. Sofort waren alle Sorgen verflogen, ich war angekommen. Endlich. Die letzten 3,5 Monate hatten sich wie Kaugummi gezogen. Doch jetzt war alles egal, ich war zurück, die Sonne schien und ein unglaubliches Abenteuer lag vor uns. Die Vorfreude unser Team vom Kilimanjaro Trek vor Ort wiederzusehen war riesig. In dem Moment wusste ich, es war die absolut richtige Entscheidung zurückzukommen und meinem Herzen, dem Ruf Afrikas zu folgen.

 

 

 

 

Ablauf der Tour

 

Tag 1

Nach dem Frühstück wurden wir gegen 8 Uhr von unserem Guide mit dem Bus am Springland Hotel abgeholt. 2 Stunden dauerte die Fahrt bis zum Arusha Nationalpark. Für mich wie immer ein Erlebnis auf den Straßen Tansanias zu fahren, die Menschen bei der Arbeit zu beobachten und die Blicke in die Ferne schweifen zu lassen. Am Momella Gate angekommen, wurden wir für den Nationalpark registriert. Uns wurde, so wie 3-4 weiteren Gruppen ein Ranger zugewiesen. Raymond, der Ranger, hatte ein unglaubliches Fachwissen zu Fauna und der Tierwelt im Arusha Nationalpark. Wir hatten die große Hoffnung einem Elefanten zu begegnen, mussten aber bis zu Ende hoffen und hatten kein Glück. Elefanten sind allerdings sehr selten in diesem Park anzutreffen.

 

 

Ein Ranger ist immer für mehrere Gruppen zuständig. Dies war uns bis zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, empfanden wir aber auch nicht als schlimm. Wir freuten uns darauf mit Menschen aus aller Welt den Weg zu gehen.

Die Wanderung zur ersten Hütte, der Miriakamba Hut dauerte circa 5 Stunden. 1.000 Höhenmeter galt es zu überwinden.

 

 

Das Highlight des Tages war ein kleiner Wasserfall, an dem wir vorbeikamen und eine Pause einlegten. Wir hatten einen großartigen Ausblick auf den Meru während wir durch eine dschungelartige Landschaft wanderten. Das Wetter war bis zum Mittag grandios, wir wanderten bei angenehmen 28 Grad in kurzen Hosen und T-Shirt.

Gegen frühen Nachmittag wurden wir allerdings von einem Regenschauer überrascht. Zum Glück hielt dieser nur kurz an. Auf dem Weg haben wir einen Guide kennengelernt, welcher selbständig arbeitet und Deutsch sprechen konnte. Das war ein schönes Gefühl mit einem Einheimischen auf meiner Landessprache zu sprechen und mich auszutauschen. Es ist Wahnsinn, wie Sprache die Kommunikation mit anderen Kulturen beeinflusst. Ich habe mir so oft während der Tour gewünscht gute fundierte Swahili Kenntnisse zu haben, um mich besser und intensiver austauschen zu können. Aber was nicht ist, kann ja noch werden 😉

 

Er führte auch eine deutsche Reisegruppe an, die zusätzlich einen deutschen Bergführer hatten. Am Mt. Meru gilt die selbe Regel wie am Kilimanjaro. Je ein einheimischer und ortskundiger Guide ist vorgeschrieben und muss jede Trekking-Gruppe begleiten.

Im Camp angekommen wurden wir auf unsere Zimmer aufgeteilt. Mehr zur Unterbringung in den Camps findest du unter „Unterkunft“. Gegen 6 Uhr gab es Abendessen. In der Regel isst das Team nicht mit den Wandergruppen. Wir fanden es aber sehr spannend mit unseren Leuten gemeinsam zu essen, sich gegenseitig auszutauschen und vor allem wollten wir unbedingt das tansanische Nationalgericht „Ugali“ ausprobieren, das nur von den Trägern und dem Guide gegessen wird. Wir hatten einen sehr geselligen Abend und haben noch länger mit den Jungs zusammengesessen und über die Unterschiede unserer Kulturen gequatscht.

 

 

 

Tag 2

 

Tag Nr. 2 startete früh. Zwischen 6 Uhr und 6:30 Uhr wurden wir von Hussein, unserem Hauptträger geweckt. Jeden Morgen haben wir in einer kleinen orangenen Schüssel warmes Waschwasser bekommen. Hussein klopfte immer an unserer Zimmertür und brachte uns „water for wash“ sowie eine Tasse Tee oder Kaffee zum Anrühren.

Nach dem morgendlichen Waschritual gab es zunächst ein üppiges Frühstück. Im Anschluss organisierte jeder sein Gepäck und packte den Tagesrucksack für die bevorstehende Wanderung zusammen.

An diesem Morgen hatten wir noch ein besonderes Projekt vor. Seit unserer Ankunft in Moshi lagen wir unserem Guide und Freund Dullah in den Ohren, dass wir für ein Gruppenfoto, bei dem wir das Wort T A N Z A N I A bilden wollten, 17 Leute benötigten.

Der Tag schien wie perfekt und genügend Leute fanden sich auch recht schnell zusammen, die mitmachen wollten. Es war allerdings gar nicht so einfach 17 Leute anzuleiten, die Sonne mit einzuplanen und ein ordentliches Foto hinzubekommen. Leider waren die Bedingungen des Backgrounds nicht ganz optimal, so dass man nicht sofort erkennen kann, was unsere Aufstellung bedeuten soll. Nichtdestotrotz haben wir ein tolles Erinnerungsfoto bekommen und hatten einige Lacher auf unserer Seite.

 

Die anschließende Wanderung führte uns bis zur auf 3.500 m hoch gelegenen Saddle Hut. Schon nach kurzer Zeit hatten wir eine grandiose Aussicht auf den Kilimanjaro, was für mich das Highlight des Tages war. Das Wissen, dass wir vor paar Monaten erst auf diesem gestanden hatten, gab uns enorm viel Selbstbewusstsein für den folgenden Tag.

 

Einige Affen waren in den Baumkronen zu sehen und meistens noch eine viel längere Zeit zu hören. Die Landschaft wurde zunehmend karger und kurz vor der Saddle Hut sah die Landschaft recht plötzlich eher tot als lebendig aus. Dullah erzählte uns daraufhin, dass es vor einigen Jahren an genau dieser Stelle ein Buschfeuer gegeben hat, welches sich sehr weit ausbreiten konnte. Wirklich sehr schade. Wie lange es wohl dauern mag, bis die Natur sich wieder erholt haben wird?

 

 

Gegen Mittag erreichten wir die Saddle Hut und wurden von Sele, unserem Koch wieder mal mit einem sehr leckeren Mittagessen bekocht. Wir sollten uns ordentlich stärken, denn zum einen waren wir jetzt schon an unserem Base Camp angelangt, von dem es in der kommenden Nacht zum Socialist Peak gehen sollte. Zum anderen hatten wir am späten Nachmittag noch eine kleine Akklimatisationstour (45-60 Minuten) zum Little Meru vor uns. Little Meru befindet sich auf 3.800 m und bietet einen fantastischen Blick auf den Mount Meru. Schon auf dem Hinweg zog sich das Wetter stark zu, dunkle Wolken zogen über das Camp und wir vermuteten Regenschauer. Als wir im Camp ankamen gingen diese sofort los und wir freuten uns über unser Glück, zurück im Camp zu sein.

 

 

Es regnete den ganzen Abend durch und Dullah wurde zunehmend nervöser, da der Weg zum Gipfel über Steinpassagen führt, die durch den Regen glitschig und glatt werden können. Nicht zu vergessen, dass eine Wanderung im Regen durch die kalte Nacht wirklich keinen Spaß machen würde.

 

Die Gipfelnacht und Tag 3

 

Wir wurden gegen 12:30 Uhr geweckt. Um 1 Uhr sollte es losgehen. Ein Tee und ein paar Kekse standen zur Stärkung für uns bereit. Wir konnten unser Glück kaum glauben, aber es hatte komplett aufgehört zu regnen. Wir wanderten unter dem klarsten Sternenhimmel, den ich je gesehen hatte, los und konnten sogar die Milchstraße sehen. Es war wärmer als gedacht und so liefen wir im Schneckentempo Richtung Rhino Point.
Rhino Point erreichten wir gegen 3 Uhr nachts – zumindest sagt mir mein iPhone, dass ich um diese Zeit ein Foto von dem Zeichen gemacht habe. Dieser liegt auf 3.800m Höhe. Wir waren also 300 Höhenmeter aufgestiegen und es sollten noch mehr als 700 Meter folgen.

Falsch!

Nachdem wir Rhino Point erreicht hatten, ging es erstmal eine Zeitlang bergab. Rhino Point ist quasi der „Vorberg“, den wir passieren mussten um auf den Gipfel des Meru zu steigen.
Wir liefen komplett im Dunkeln auf dem Grat des Vulkans entlang. Erst bei der Rückkehr haben wir gesehen, wie steil die Hänge nach unten gingen. Der Weg führte über felsiges und teils sandiges Vulkangestein. Die Kletterpassagen waren mit Stahlseilen gesichert, an denen man sich festhalten konnte. Na da lobe ich mir die deutsch/österreichischen Klettersteigsicherungen 😉 Aber davon gab es weit und breit keine in Tansania. Hier war dann Trittsicherheit gefragt.

 

Wir stiefelten 5 Stunden durch die Nacht bis der Himmel langsam heller wurde und den Sonnenaufgang ankündigte. Gegen 6:30 Uhr war es dann endlich so weit. Da wir nicht schnell genug waren um rechtzeitig den endgültigen Gipfel zu erreichen, haben wir den Sonnenaufgang an einer früheren Stelle am Kraterrand des Mount Meru bestaunt. Die Sicht war endlos. Weit entfernt lag der Kilimanjaro majestätisch vor uns. Die Sonne ging neben ihm auf und färbte alles um uns herum in gold-orangenes Licht. Ein Moment der Gänsehaut. Das Gefühl, welches sich für uns in diesem Moment einstellte, war unbeschreiblich. Die Erinnerung holte uns ein, vor ca. 4 Monaten auf dem Gipfel des höchsten Berges Afrikas gestanden zu haben und nun schon wieder auf einem Vulkan Tansanias zu stehen. Wie verrückt das doch war!

 

Unsere Begleitung, Dullah und Juma konnten den Moment– nachdem sie den Weg schon mehr als 100x gegangen sind – leider kaum genießen. Für sie selbst war der Aufstieg nur ein Job, welcher noch nicht zu Ende war. Bis zum Socialist Peak lagen noch knapp 100 Höhenmeter und geschätzte 45 Minuten Gehzeit.

Dort kann man sich im Gipfelbuch eintragen und den Ausblick über Tansania und die Weite genießen, wir hatten einen unendlich weiten Blick, kaum Wolken, Blick auf den heiligen Massai Berg – Ol Doinyo Lengai. 

Danach erfolgt Abstieg bis zur Saddle Hut. Dort durften wir bis zu einer Stunde schlafen, bevor wir weiter bis zur Miriakamba Hut absteigen mussten.  Bei der 3 Tage Tour erfolgt der Abstieg direkt bis zum Momella Gate. Wir waren sehr dankbar die 4 Tage Tour gebucht zu haben, da es wirklich anstrengend war und die Beine weh taten. Allerdings ist die 3 Tage Tour für geübte Wanderer sicherlich eine gute Möglichkeit Kosten sowie Zeit zu sparen.

 

 

In der Miriakamba Hut kamen wir gegen Nachmittag an. Nach dem Abendessen fielen wir dann auch erschöpft ins Bett.

 

Tag 4

 

Der vierte und letzte Tag startete wieder relativ früh mit Sonnenaufgang. Nach dem Frühstück erfolgte die, für den Kilimanjaro sowie für den Mt. Meru typische Abschiedszeremonie. Das Team singt sehr enthusiastisch und mit viel Freude den Kilimanjaro / Meru Song. Im Anschluss wird meistens das Trinkgeld übergeben. In manchen Fällen erfolgt die Übergabe des Trinkgeldes auch erst abends im Hotel.

Der Abstieg zum Momella Gate ging schneller als der Aufstieg zur Miriakamba Hut am ersten Tag, da es hier eine Abkürzung gibt. Diese führt an einem sehr schönen und hohen Wasserfall vorbei, an dem wir eine kurze Rast einlegten und den Moment genossen. Ein weiteres Highlight erwartete uns kurz darauf. Es hatte wirklich etwas von einer Walking Safari, denn wir kamen an wildlebenden Büffeln, Warzenschweinen sowie unglaublich vielen Giraffen vorbei.

 


Für mich ein wunderschöner Moment, die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu können. Raymond erlaubte sogar, dass wir uns den Giraffen langsam nähern dürfen. So gingen wir vorsichtig und mit viel Respekt auf die Giraffen zu und standen zum Schluss von einzelnen Tieren nur wenige Meter entfernt. Absoluter Wahnsinn!

 

 


Am Gate angekommen ging es mit unserem Minibus zurück in die Stadt Moshi.

 

 

Unterkunft

 

 

Die Unterkunft am Mt. Meru erfolgt in Hütten. Die meisten Zimmer sind 4er Zimmer, welches wir allerdings nur zu zweit belegt haben. In den Zimmern befinden sich Stockbetten mit dünnen Matratzen, die recht komfortabel waren. Ein Schlafsack ist allerdings obligatorisch. Zum Essen gibt es eine extra Essenshütte, die auch gleichzeitig für das tägliche Briefing mit dem Guide dient. Eine weitere Hütte ist die Küche, in der die Köche und Porter das Essen zubereiten, den Abwasch erledigen und sich selbst oft aufhalten.

 

 

Draußen gibt es sowohl in der Miriakamba als auch in der Saddle Hut Tische und Bänke, die jeder zum Schreiben eines Reisetagebuches oder auch zum Lesen benutzen kann. Es gab einigermaßen ordentliche Toilettenhäuser mit westlichen Toiletten sowie mehrere Waschplätze.

 

 

Verpflegung

 

Die Verpflegung durch die Anbieter ist wirklich sehr gut. Ich war mehr als überrascht, wie gut und ausgewogen die Verpflegung am Berg ist und welche tollen Gerichte die Köche herzaubern können. Hauptbestandteil des Essens sind Kohlenhydrate bzw. schnelle Energie. Aber auch Proteine und Fette sind ausreichend vorhanden 😉 Eine vegetarische Verpflegung war übrigens überhaupt kein Problem, muss nur vorzeitig vermerkt werden.

 

Beispielhafte Verpflegung am Mt. Meru:

 

 

Frühstück: z.B. tansanisches Porridge, Pancakes oder Omelettes, getoastete Toastscheiben, viel frisches, saisonales Obst wie Mango, Papaya, Wassermelone und für Fleischesser gibt es als Extra noch Würstchen.

Marmelade, Erdnussbutter, Kaffee, Tee, Kakao (heißes Wasser wird jeden Morgen und Abend frisch aufgekocht und in einer Thermoskanne serviert)

Lunch: Vorspeise: Gurken-, Salat- oder z.B. Kartoffelsuppe, Pommes im Eieromelette – eine tansanische Spezialität, die suuuper lecker ist, Nudeln/ Süß- oder normale Kartoffeln / Cassava oder Reis als Kohlenhydrate-Basis, Fleischsauce oder für Vegetarier eine Gemüsesauce. Zum Nachtisch gab es jedes Mal frisches Obst.

Snack: Gegen Nachmittag wurde Tea & Popcorn sowie viele Erdnüsse serviert.

 Dinner: Vorspeise: Suppe; Hauptgang: Nudeln, Reis oder Kartoffeln mit einer entsprechenden Sauce, Salat aus frischen Paprika, Tomaten und Gurken, Mandazi (tansanische Spezialität – gefüllte Teigtaschen oder auch „swahili bun“ genannt), manchmal gab es andere tansanische Spezialitäten und zum Abschluss immer frisches Obst.

 

 

Allgemeine Tipps

 

  • Trinkgeld einplanen und passend parat haben
  • viel Trinken mind. 3-4 Liter pro Tag (Chlortabletten mitnehmen)
  • Energieriegel nicht vergessen
  • Rettungsdecke nicht nötig – aber Regenjacke/Hose wichtig!
  • Sonnencreme wichtig
  • Schlafsack reicht bis 0 Grad Komfortzone

 

Du suchst noch eine ausführliche Packliste für ein Trekking am Mt. Meru oder Kilimanjaro?

 

Dann kommst du hier zu meinem ultimativen Pack-Guide.

 

 

Kosten für eine Tour am Mt. Meru

 

Die Kosten am Meru sind nicht so hoch wie am Kilimanjaro. Die Touren sind kürzer, wir hatten lediglich 2 statt 3 Porter pro Person und dementsprechend auch weniger Trinkgeldkosten.

 

  • Flug ca. 600€
  • individuelle Tour zum Mt. Meru (4 Tage) 768 € ab 2 Personen für Doppelzimmer, Aufpreis, wenn nur 1 Person reist 230€

inklusive sind hier 2 Nächte im Springland Hotel in Moshi sowie der Transfer vom Flughafen nach Moshi

  • 2 weitere Nächte 80€ pro Person für einen verlängerten Aufenthalt (geht um einiges billiger in Hostels in Moshi)
  • Abendessen ist nicht inklusive im Hotel: 10 US$ pro Essen (Buffet)
  • Mein Tipp: In der Stadt bekommst du gutes Essen bereits ab 1US$ oder 1500-2500 TSH (ca. 0,80-1,20€)
  • 50 US$ Visumskosten am Flughafen in Tansania zu bezahlen
  • Trinkgeld für 1 Guide, 1 Assistenzguide, p.P. 2 Porter und einen Ranger ca. 180-200 USD p.P. (4 Tages Tour)

(wir haben bewusst mehr gegeben, als bei der Kilimanjaro Tour)

 

Trinkgeld Richtlinien

 

Guide: 15-20 USD pro Tag

Assistenzguide: 10-15 USD pro Tag
Koch: 9-12 USD pro Tag
Porter: 6-8 USD pro Tag / pro Träger

Ranger: hier gibt es keine Richtlinien, wir haben etwas weniger gegen als für den Guide, da der Ranger von allen Gruppen ein Trinkgeld bekommt.

 

 

Diese Angaben gelten pro Wandergruppe – nicht pro Teilnehmer!

 

 

Wieso sind die Trinkgelder so unfassbar hoch?

 

Ja, die Kosten für das Trinkgeld sind wirklich recht hoch und wir mussten bei unserer ersten Tour auch erstmal schlucken. Noch dazu, weil es von der Bergmannschaft erwartet wird. Ich finde jedoch, jeder sollte sich, vor Vergabe des Trinkgeldes, selbst fragen, wie viel Unterschied es für uns Westeuropäer wirklich macht, ein paar USD mehr oder weniger für eine solch‘ einmalige Erfahrung auszugeben und ob man an dieser Stelle einsparen möchte.

Für manchen Tansanier bedeutet der Job die Möglichkeit eine mehrköpfige Familie zu ernähren. Sollten die Jungs selbst keine eigene haben, werden eben mit ihren Gehältern, die Eltern oder Geschwister mitversorgt. Die Gehälter, die sie offiziell von den Tourenanbietern gezahlt bekommen, sind meist nicht mehr als 5-10 USD pro Tag. Die Träger tragen nicht selten mehr als 20kg (inklusive ihrem eigenen Gepäck) den Berg hoch und arbeiten 24 Stunden für mehrere Tage am Stück. Im schlimmsten Fall bzw. bei Buchung von günstigen Tour Anbietern sind sie oft nicht mal entsprechend ausgestattet (wir haben Träger in Flip-Flops gesehen?!?!) oder erhalten genügend Mahlzeiten am Berg.

Dieses Beispiel beschreibt das „worst case scenario“, es kommt natürlich immer auf den Anbieter an, aber leider ist dies keine Seltenheit.

Natürlich sollte jeder selbst entscheiden können, wie viel Trinkgeld er gibt, ich finde es jedenfalls sehr fair, das Team entsprechend zu entlohnen, da sie einen unglaublichen Job machen, den kein Europäer freiwillig machen würde – ich bezweifle, dass wir Europäer überhaupt in der Lage wären, diesen zu absolvieren.

Daher sind für mich die Einheimischen auch die wahren Helden am Berg.

Falls euch die Sicherheit und Behandlung der Porter so wie mich interessiert, könnt ihr unter „Kilimanjaro Porters Assistance Project“ mehr darüber lesen.

Die KPAP ist eine „non profit“ Organisation, die sich für das Wohlergehen sowie eine gerechte Bezahlung der Porter am Kilimanjaro und am Mt. Meru einsetzt.

 

 

 

Sollte ich nun eine Tour am Mt. Meru zur Vorakklimatisierung machen? Was macht den Mt. Meru so interessant? 

 

 

Wie du ja schon weißt, haben wir den Meru nicht als Vorakklimatisierung für die Kilimanjaro Tour gemacht. Wir haben allerdings einige andere Bergsteiger getroffen, die beide Touren gebucht hatten. Eine Tour am Mt. Meru macht zur Akklimatisierung in jedem Fall sehr viel Sinn. Mit knapp 4.700m bist du nach der Tour gut an die Höhe angepasst und dir sollte die Besteigung des Kilimanjaro leichter fallen.
Ich möchte nicht sagen, dass ich die Tour jedem uneingeschränkt empfehlen würde, denn sie ist trotz allem anstrengend und kräftezehrend. Wenn ich daran denke, eine Tour wie die am Kili nach dem Meru Trekking zu machen, … nein, das würde ich ungern machen wollen. Viele Bergsteiger nehmen sich zum Beispiel eine Auszeit von einigen Tagen in Moshi oder Arusha bevor sie die nächste Tour in Angriff nehmen.
Was für die Tour am Mt. Meru spricht:

 

  • Eine bessere Akklimatisierung ist möglich bei anschließendem Kilimanjaro Trekking
  • Wunderschöne Natur mit spektakulären Aussichten auf den Kilimanjaro
  • Beim Abstieg erwartet dich eine Art Walking Safari
  • Du schläfst in Hütten, was die ganze Tour komfortabel macht (außer du begehst die Marangu Route am Kilimanjaro, die ebenfalls Hütten anbietet)
  • Der Blick in den Merukrater und auf den „Ashcone“ ist VIEL spektakulärer als am Kilimanjaro selbst – Achtung: subjektive Meinung 😉
  • Du besteigst den zweithöchsten Berg Tansanias
  • Die Tour ist kürzer als die Touren am Kilimanjaro
  • Die Tour ist viel günstiger als eine Tour am Kilimanjaro

 

Was gegen die Tour am Mt. Meru spricht:

 

  • Die Kosten, wenn du im Anschluss ein Kili Trekking gebucht hast
  • Deine Zeit in Tansania ist knapp bemessen
  • Du lebst in den Alpen und kannst dort eine Vorakklimatisierung machen und die beiden oben genannten Punkte sind für dich wichtige Faktoren
  • Du hast nach der Meru Tour bereits eine anstrengende Tour hinter dir und bist ggf. „platt“ und müde

 

Es sprechen also viele Gründe FÜR den Meru und ein paar wenige auch DAGEGEN. Es kommt immer darauf an, wie viel Zeit und Geld du zur Verfügung hast und ob eine Akklimatisierung ggf. auch in Deutschland erfolgen kann. Eine Vorakklimatisierung erhöht in jedem Fall die Chance auf den Gipfelerfolg am Kilimanjaro. Wir haben in der Gipfelnacht nicht wenige Bergsteiger umdrehen sehen, da sie sich schlichtweg überschätzt haben oder einfach nicht genügend Willensstärke hatten.

Wenn du den Gipfelerfolg in keinem Fall riskieren möchtest sowie Geld und Zeit keine Rolle spielen, empfehle ich dir: Buch die MERU Tour.

Sie ist wunderschön, spektakulär und du sparst dir den Flug, falls du nach dem Kili nochmal nach Tansania fliegen willst um sie nachzuholen (so wie ich 😉 haha). Ich bin sooo froh, dass wir nochmal nach Tansania geflogen sind und diese tolle Tour gemacht haben. Sie ist wirklich ganz anders als die Rongai Route am Kilimanjaro, was ich vorher niemals gedacht hätte und die Kombination einer kleinen „Walking Safari“ mit der Chance wilde Tiere zu sehen, macht sie zu etwas ganz besonderem.

Übrigens: Bei Buchung über Wikinger Reisen wirst du im Springland Hotel in Moshi untergebracht. Es ist ein gutes Mittelklasse Hotel, welches durch ein Gate und einen Pförtner bewacht wird und in dem ich mich zu jeder Tages- und Nachtzeit sehr sicher gefühlt habe. Die Preise sind okay und das Essen gut. Du kannst dir Ausrüstungsgegenstände vor Ort gegen Gebühr ausleihen sowie deinen Koffer / Rucksack, den du auf der Tour nicht benötigst, im Hotel deponieren. Die Aufbewahrung ist kostenlos.

 

 

Warst du schon am Mount Meru oder planst eine Tour dahin? Dann freue ich mich über deine Meinung 🙂

Lass mir gerne einen Kommentar da! 

2 thoughts on “Mount Meru – der unterschätzte Berg

  1. Servus Steff,

    das sind ja ganz tolle Eindrücke, die du da aufgeschrieben hast und zeigst. Tansania steht bei uns auch weit oben (wie vielen andere) auf der Liste. Der Kilimandscharo wäre schon ein geniales Ziel – der Meru aber natürlich auch 🙂

    Liebe Grüße
    Flo

    • Hey Flo 🙂 Vielen lieben Dank! Tansania ist faszinierend, die Rongai Route am Kili war landschaftlich nicht ganz so beeindruckend wie der Meru. Ich habe aber gehört, dass es Routen am Kili gibt, die unglaublich abwechslungsreich sein müssen. In jedem Fall ist es ein tolles Erlebnis. Viele Grüße
      Steff

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