Wie ich durch Couchsurfing auf einem Segelboot übernachtet habe

 

Ich bin seit mehreren Jahren auf der Plattform Couchsurfing angemeldet. Dass ich es bis vor einem halben Jahr nicht genutzt habe, lag daran, dass entweder mein Reisepartner oder ich selbst skeptisch gegenüber Fremden war. Dieses Jahr hat sich wie ich schon in diesem Bericht hier geschrieben habe, einiges verändert. Ich wollte etwas ausprobieren was ich bislang noch nie gemacht hatte, mich mal wieder aus meiner Komfortzone herausholen und erfahren ob etwas Großartiges dabei herauskommt.

couchsurfing als Frau

 „Wann war das letzte Mal, dass du etwas das Erste Mal gemacht hast?“

Ich hatte eine Reise in die USA und nach Kanada geplant. Nachdem ich eine Woche vor hatte bei einer Freundin zu wohnen, wusste ich, dass ich mindestens 7 Tage alleine reisen würde und suchte nach einer Unterkunft. Mein Fokus auf Reisen liegt nicht auf der Unterkunft. Das Reisen an sich hat für mich höchste Priorität und davon bitte so viel wie möglich. Ich möchte die bereisten Länder erleben, die Umgebung erkunden und lieber eine außergewöhnliche Tour mitmachen als mein Geld für Unterkünfte ausgeben. Für meine Reise nach Nordamerika stand also zur Auswahl entweder in Hostels zu übernachten oder die Plattform Couchsurfing zu nutzen. Ich entschied mich für Couchsurfing und machte die beste Erfahrung meines Lebens. Keine Sekunde bereue ich auf einer Couch übernachtet zu haben. Es gibt ein paar Einschränkungen, die du als Couchsurfer hast, aber die Vorteile überwiegen um Welten.

 

Was ist Couchsurfing eigentlich?

Couchsurfing ist ein Online Portal, welches darauf basiert andere Reisende kennenzulernen und sich mit Einheimischen auszutauschen. Es soll ein Austausch zwischen den Menschen aller Kulturen stattfinden und die Möglichkeit geboten werden eine kostenfreie Übernachtung anzubieten oder selbst zu nutzen.

Du erstellst dir auf der Plattform ein eigenes Profil, auf dem du dich und deine Interessen beschreibst. Du kannst selbst wählen, ob du

  • selbst Gastgeber sein möchtest
  • Couchsurfer sein möchtest
  • oder nur für ein Treffen in deiner Stadt Zeit hast.

Couchsurfing selbst bietet dir die Möglichkeit die Kulturen anderer Länder unkompliziert kennenzulernen und gleichzeitig kostengünstig zu verreisen. Im Fokus steht vor allem der Austausch untereinander. Die Gastgeber sind häufig bemüht, dir die Gegend zu zeigen und verbringen, sofern sie Zeit haben gerne auch den ein oder anderen Tag mit dir.

 

Warum sich viele vor Couchsurfing sträuben

Wir leben in einem Land, in dem Sicherheit sehr großgeschrieben wird. In Deutschland werden täglich hunderte an Versicherungen verkauft um bloß sicherzustellen, dass wir alle abgesichert sind und uns nichts passieren kann. Durch die Medien wird uns den ganzen Tag suggeriert, dass wir in einer sehr gefährlichen Welt und Zeit leben. Die Wahrheit ist aber, dass wir in einem der sichersten Länder der ganzen Welt leben. Noch dazu habe ich letztens gelesen, dass unsere Zeit statistisch gesehen viel sicherer ist als sie jemals war. „Früher war alles besser“ stimmt also gar nicht Für was benötigen wir hier in Deutschland diese enorme Absicherung? Wir wollen mit jedem M

ittel Kontrolle über unseren Alltag, über unser Leben erlangen. Die Wahrheit ist aber, dass wir unser Leben nicht kontrollieren können. Die Wahrheit ist, dass wir uns so die Möglichkeit nehmen, Erfahrungen zu machen, die uns mehr Freude bringen können als wir uns jemals ausgemalt hätten. Wir berauben uns der Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln und unsere Welt mit anderen Augen zu sehen.

„Wir sehen die Welt nicht so wie sie ist, sondern immer nur so wie wir selbst sind.“

Wir sind Gewohnheitstiere und haben Angst vor dem Unbekannten. Ich auch. Als ich das erste Mal darüber nachdachte Couchsurfing zu nutzen, war für mich klar, dass ich bei einer Frau übernachten wollte. Bei Männern unterzukommen, erschien mir nicht „sicher“ genug. Ich denke es war Schicksal, dass mir jede Frau in Vancouver absagte und ich „gezwungen“ wurde bei einem Mann anzufragen. Ich hätte natürlich auch in einem Hostel unterkommen können, aber meine innere Stimme und der Drang nach Abenteuer waren stärker. Mein Gefühl sagte mir, dass es richtig ist. All die Zweifel und Ängste schob ich bewusst zur Seite. Auf Couchsurfing fand ich Paul, meinen Host aus Vancouver. Er wohnte in der perfekten Lage und hatte Platz für mich. Mein nächster Stopp sollte in Seattle sein und ich fand Eric, der auf einem Segelboot lebt. Wie genial ist das denn? Ich schrieb ihn an und hatte kurzdarauf eine Zusage, dass auch er Platz für mich hatte.

Wenn du couchsurfst, haben nicht alle Hosts (engl. Gastgeber) ein eigenes Bett oder ein privates Zimmer zur Verfügung. Es kann vorkommen, dass du auf einer Couch oder im Wohnzimmer übernachtest. Ich habe 5 Nächte auf einer Couch geschlafen und 2 Nächte in einer eigenen kleinen Kajüte auf dem Boot. Sollte dich das nicht stören, kann ich dir Couchsurfing nur wärmstens empfehlen.

 

Warum du Couchsurfing ausprobieren solltest, vor allem dann, wenn du nicht weißt, ob es das Richtige ist

Durch meinen Host Paul habe ich Vancouver lieben gelernt. Schon in den ersten 5 Minuten war ich von seiner Herzlichkeit und wärmenden Art begeistert. Er war stolz mir Insidertipps für die besten Restaurants oder Cafés der Stadt zu geben. Wir wanderten zum Garibaldi Lake und ich lernte bei einem Beach BBQ seine Freunde kennen. Durch die neuen Bekanntschaften fand ich sogar eine Kletterpartnerin für den nächsten Tag in Vancouvers Bergen. In Seattle durfte ich das erste Mal auf einem Segelboot wohnen. Ich sah Seattle’s Skyline vom Wasser aus und ließ mir den Fahrtwind um die Ohren wehen. Ich durfte eine kostenlose Bootsfahrt während des Sonnenuntergangs genießen und viel über die Schiffe und Yachten in Seattles Hafen lernen. All das hätte ich niemals erfahren dürfen, wenn ich mich von meinen Zweifeln hätte leiten lassen. Durch Couchsurfing wirst du andere Kulturen kennenlernen. Du wirst toleranter für deine Mitmenschen werden und du wirst einen Ort auf eine andere Art und Weise kennenlernen als auf einer Urlaubsreise.

Wenn du unsicher bist, ob Couchsurfing das Richtige für dich ist, empfehle ich dir:

Probier‘ es einfach einmal aus. Wenn du es nicht machst, wirst du es niemals wissen. Überleg doch mal, was dir alles entgehen kann, wenn du es NICHT machst und dann stell‘ dir mal vor, du hast heute deinen 80. Geburtstag und schaust zurück auf dein Leben. Wünschst du dir es einfach gemacht zu haben?

Du brauchst noch ein paar gute Argumente für Couchsurfing?

  1. Du sparst eine Menge Geld.
  2. Du hast als Alleinreisender direkt Anschluss.
  3. Du erhältst die besten Insidertipps von Einheimischen.
  4. Du machst einzigartige Erfahrungen.

Ist Couchsurfing denn sicher?

Die Frage nach der Sicherheit hat mich auch ein wenig beschäftigt. Wie oben erwähnt, wollte ich zunächst bei Frauen übernachten. Da fühlt Frau sich oft wohler. Immerhin sind wir mit dem Leitsatz aufgewachsen: „Triff dich nicht mit fremden Männern aus dem Internet. Sie könnten jemand ganz anderes sein“. Dennoch bin ich letztendlich bei zwei Männern gelandet. Das war vor allem so, weil ich mich intensiv mit meinen Gastgebern und ihren Profilen beschäftigt habe. Ich habe mir Zeit gelassen bei der Suche und nichts überstürzt. Letztendlich habe ich auf mein Bauchgefühl gehört.

 

Tipps für eine sichere und bereichernde Couchsurfing Erfahrung

  1. Check die Profile deiner Gastgeber.
  2. Mach eine Liste und beantworte dir folgende Fragen:
    1. Wie viele Empfehlungen hat er bereits?
    2. Hat er Fotos von sich online gestellt?
    3. Ist er dir anhand der Bilder sympathisch?
    4. Wie viele Surfer waren bereits bei ihm?
    5. Waren hauptsächlich Männer oder auch Frauen bei ihm
    6. Gab es Kritikpunkte in den Bewertungen?
    7. Wie ist die Lage seiner Wohnung? Informier dich über das Viertel in dem dein Host lebt.
    8. Verbindet euch auf Facebook oder tauscht Handynummer aus bevor ihr euch trefft. Das Facebook Profil zu sehen und zu erkennen, dass es sich um einen echten Menschen handelt, beruhigt und gibt ein gutes Gefühl.
    9. Wähle deinen Gastgeber nach gemeinsamen Interessen.
    10. Frag nach wo du übernachtest. Hat er ein separates Zimmer für dich, schläfst du auf der Couch oder teilt ihr sogar ein Zimmer? Du musst dich vor allem wohlfühlen. Bitte gehe da keine Kompromisse ein.

Daher auch zum Schluss: Ganz wichtig! Wenn dir etwas komisch vorkommt, scheu dich nicht davor, wieder zu gehen. Wenn du dich unwohl bei deinem Gastgeber fühlst, such‘ dir eine andere Bleibe. Du bist nicht verpflichtet bei ihm/ihr zu bleiben, nur, weil ihr es vereinbart habt.

Gefällt dir mein Bericht? Dann hinterlass mir doch bitte ein Feedback. Ich freue mich drauf.

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