Der Kilimanjaro und die Höhenkrankheit

 

 

Oktober 2016

Benötigt man viel Kraft und Ausdauer für ein Trekking auf den Kilimanjaro?

Wie erging es mir am Berg?  

 

Teil 2

 

 

Der Kilimanjaro gilt als technisch leicht begehbarer Berg. Die Wege der Rongai Route steigen stetig, sind jedoch sehr gut ausgebaut. Konditionell waren die Etappen gut zu meistern. Lediglich die letzte Etappe auf den Gipfel des Kibos war – wie bereits in Teil 1 erwähnt – sehr steil.
Die Tücke des Trekkings war die Höhe. Mit jedem Höhenmeter, den wir gingen, wurde die Luft dünner und das Laufen somit anstrengender. Ich hatte einen erhöhten Herzschlag und das Atmen fiel mir zunehmend schwerer.  Hinzu kamen Kopfschmerzen, Kopfschmerzen, wie ich sie noch nie zuvor hatte.
Die ersten Tage äußerte sich nur ein leichtes Druckgefühl auf der Schläfe, welches sich jedoch am vierten Tag zu pochenden, pulsierenden Kopfschmerzen entwickelt hatte. Ich hatte das Gefühl, mein Schädel würde platzen. Mit jedem Schritt schoß mir ein Schmerz in die linke Schläfe. „Was nun“? – dachte ich. Ich befand mich im Base Camp auf 4.700 m Höhe. In wenigen Stunden sollte es mitten in der Nacht zum Gipfel des Kibo’s losgehen. Aufgeben war für mich keine Option. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt einmal auf dem Gipfel des Kilimanjaro zu stehen. Als ich um 12 Uhr nachts aufwachte, hatte ich zu meinem Glück kaum noch Kopfschmerzen. Sie hatten sich durch ein wenig Ruhe und Schlaf sehr verbessert. Also stand einer weiteren Besteigung nichts im Weg. Es konnte losgehen.

 

 

„[…] am liebsten wäre ich wie ein Kartenhaus in mich zusammengefallen. Ab dem Punkt ging es dann nicht mehr. Im Kopf zu haben, den ganzen Weg zurück zu müssen, nochmal 3-4 Stunden länger laufen zu müssen, führte dazu mir einzugestehen, dass ich besser umkehre. Der Assistenzguide und ich drehten um. Ein letztes Foto am Gilman’s Point ließ ich mir aber nicht nehmen und auch ein Foto auf den Gletscher musste sein. Der Abstieg fühlte sich ewig an. Nach 5 Minuten hakte der Assistenzguide mich bei sich ein, da ich den Weg nur so runter stolperte. Mir war alles egal. Der Weg war so gefährlich und bei einem Sturz hätte ich mir locker den Kopf auf den vielen Steinen angeschlagen. Wäre mir auch egal gewesen. Wir rannten bzw. rutschten zusammen den Berg runter. Alle paar Minuten brauchte ich eine Pause. Er zwang mich zu trinken. Ich schlief dabei fast ein, meine Augen waren nur noch zur Hälfte geöffnet, ich fühlte mich wie in Trance.[…]“ – Auszug aus meinem Tagebuch

Der Auszug stammt aus meinen Erinnerungen an den Abstieg. Es war ungefähr 9 Uhr morgens. Meine Kopfschmerzen waren seit circa 4 Stunden zurück und wurden mit jeder Minute auf dieser Höhe schlimmer. Wir waren kurz davor den Stella Point – auf 5.756 m – zu erreichen. Ich entschied mich nach langem Überlegen dazu umzukehren.

Und so komme ich zu der Frage: „Ist Kraft oder Ausdauer die ausschlaggebende Voraussetzung für den Gipfelerfolg?“

Vor der Tour hatte ich mir diese Frage oft gestellt. Ich hatte typische Glaubenssätze wie: „Um einen fast 6.000 m hohen Berg zu besteigen, MUSS ich doch konditionell sehr fit sein.“ oder „Am besten sollte ich in der Lage sein 10 km zu joggen und Muskelkraft in den Beinen sollte auch nicht fehlen.“

Ich möchte an dieser Stelle den Druck etwas senken. Eine solche hohe Ausdauerfitness ist nicht notwendig. Meines Erachtens solltest du über eine gute Allgemeinverfassung und eine Grundfitness verfügen. Diese ist wichtig, da du täglich bis zu 10km gehst. Am Gipfeltag waren es bei unserer Tour sogar 21 km. Die Fortbewegung am „Kili“ ähnelt allerdings eher dem Tempo einer Schnecke. Wir sind möglichst langsam gegangen – getreu dem Motto „Pole Pole“ (Kisuaheli: langsam, langsam).

Uns wurde erklärt, dass das langsame Laufen den Körper unterstützt sich an die stetig ansteigende Höhe zu gewöhnen und sich zu akklimatisieren. Natürlich machten wir zunächst – wie sicherlich alle Touristen – den Fehler etwas zu schnell zu starten. Schnell merkte ich, dass mir die Atmung schwerer fiel. Tatsächlich wurde es durch ein moderates Lauftempo besser.

Daher ist meiner Meinung nach, die innere Einstellung entscheidender als die körperliche Ausdauerleistung. Du musst kein Marathonläufer sein. Ein positives Mindset und ein unerschütterlicher Wille es zu schaffen sind jedoch unabdingbar.

Unser Guide hatte uns bereits am ersten Tag die drei wichtigsten Regeln genannt. Diese lauteten:

  • Pole Pole
  • Viel Wasser trinken (unser täglicher Wasserverbrauch lag bei 6-7 Litern p.P.)
  • Positive Mind

 

 

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Fakt, dass die meisten Bergsteiger,

 die es nicht bis zum Gipfel schaffen, junge körperlich fitte Männer zwischen 25 und 30 Jahren sind. 

Das unterstreicht nochmal wie wichtig das Einhalten der drei Regeln an einem Berg wie dem Kilimanjaro ist

 und es nicht auf die reine Fitness ankommt.

 

Falls du ein sportlicher Mann in diesem Alter bist, lass dich bitte nicht von der Statistik abschrecken. 😉

 

 

 

Wie bereite ich mich denn bestmöglich auf die Tour vor?

 

Sehr hilfreich zur Vorbereitung des Trekkings ist eine Vorakklimatisierung des Körpers. Diese kannst du entweder durch Höhentrainings in sogenannten Druckkammern erzielen (hierzu habe ich keine Erfahrungsberichte) oder durch eine vorherige ausreichend lange Bergbesteigung.

Diese kann entweder in den Alpen erfolgen oder auch vor Ort in Tansania. In Tansania wird der zweithöchste Berg, der Mt. Meru mit seinen 4.565m Höhe oft zur Vorakklimatisierung genutzt. Wichtig dabei ist, dass die Akklimatisationstour unmittelbar vor der Kilimanjaro Tour stattfindet um den höchstmöglichsten Nutzen daraus zu ziehen.

Ergänzend ist noch zu sagen, dass wir keine Vorakklimatisierung hatten. Unsere Zeit in Tansania war auf 2 Wochen begrenzt und reichte somit nicht aus für zwei Trekkings. Die Tour am Mt. Meru unterscheidet sich jedoch stark von den Routen am Kilimanjaro und ist absolut empfehlenswert. Drei Monate später kam ich in den Genuss dieser wunderschönen Trekkingroute. Ein ausführlichen Bericht findest du hier.

Einer der wichtigsten Punkte während der Tour ist die bestmögliche Höhenakklimatisierung für seinen Körper zu erreichen. Symptome der Höhenkrankheit können bereits ab einer Höhe von 2.500m auftreten.

Mögliche Symptome können sein:

  • Kopfschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Schwindel
  • erhöhter Puls
  • kein Durst
  • Erbrechen
  • Atemnot
  • Schlafprobleme

Man unterscheidet zwischen Symptomen, die mit der Zeit wieder verschwinden und Symptomen, die stärker werden oder sich sogar zu einer akuten Höhenkrankheit entwickeln. Sobald ein Bergsteiger an einer akuten Höhenkrankheit leidet, hilft alles nichts und dieser muss zwingend und schnellstmöglich absteigen. Darauf hat unser Guide aber sehr genau geachtet.

Die verschiedenen Symptome werden in drei Stufen eingeteilt:

 

1. Symptome, die sich leicht äußern, mit Ruhe und Zeit wieder verschwinden sind normal und unbedenklich. Du kannst bei Auftreten von leichten Symptomen diesen mit viel Trinken und Essen sowie Schlaf und Ruhe entgegenwirken.

2. Wenn Symptome auftreten und sich verschlimmern und trotz Akklimatisierung, ausreichend Flüssigkeit und kohlenhydratreiche Ernährung nicht mehr verschwinden, ist es besser abzusteigen – als einzige effektive Maßnahme.

3. Falls Symptome sehr stark sind und mit starkem Husten, starkem Herzrasen, kaum erträglichen Kopfschmerzen, Desorientierung bzw. Verwirrungszuständen o.ä. einhergehen, solltest du möglichst schnell und viel absteigen und dich in ärztliche Behandlung begeben, denn dann besteht Lebensgefahr.

Um schlimmeren Symptomen entgegen zu wirken ist einer der wichtigsten Tipps zum Verhalten am Berg eine offene Kommunikation mit dem Guide bzgl. aller auftretenden Probleme. Denn nur durch eine gute und frühzeitige Kommunikation kann dieser die Symptome richtig einschätzen, Tipps geben, das Tempo anpassen oder ggf. Pausen zum Trinken und Essen einlegen.

Zum Thema Höhenkrankheit findest du explizit auf dieser Webseite noch detailliertere Informationen.

Mein persönliches Fazit zum Trekking: Die Tour war hart. Sie hat mir einiges abverlangt und der Summit Day gehörte zu den härtesten Tagen meines Lebens. Mir ging es nicht gut. Oben angekommen wäre ich am liebsten dort geblieben, da ich mich nicht mehr bewegen wollte. Es war tatsächlich eine starke Grenzerfahrung für meinen Körper und ein riesiger Schritt aus meiner Komfortzone. Doch dieses unbeschreibliche, einmalige Glücksgefühl auf dem Gipfel zu stehen und nicht nur den Berg, sondern auch sich selbst bezwungen zu haben, war das großartigste Gefühl der Welt.

Und genau dafür hat es sich so sehr gelohnt diese Reise zu machen.

 

„It’s not the mountain we conquer but ourselves” – Edmund Hillary

 

 

 

 

der Abstieg von der Horombo Hut über die Marangu Route

 

 

Die Abwicklung und Betreuung von der Reiseagentur „Zara Tours“ vor Ort war einwandfrei. Die Unterbringung in den Zelten war klasse, die Verpflegung war sehr lecker und zu jedem Zeitpunkt haben wir uns sicher und gut aufgehoben gefühlt. Unser Team hat einen sehr guten Job gemacht, die Zelte waren jedes Mal bei unserer Ankunft im Camp aufgebaut und das Essen fertig.

Die Jungs machen einen der härtesten Jobs der Welt und sind dabei so herrlichster Stimmung, dass man meinen könnte für sie ist es ein Zuckerschlecken. Immer getreu dem Motto „Hakuna Matata“ (dt: keine Sorgen). Das Sprichwort ist Swahili, die Sprache die man in Tansania, Kenja und Uganda spricht.

Vielen Dank an dieser Stelle an Zara Tours, unseren Guide sowie unseren Assistenzguide, ohne den ich es wahrscheinlich nicht wieder zurück zum Base Camp geschafft hätte. (An dieser Stelle bedankt sich auch meine Family ).

Eine alpine Erfahrung kann der Berg werden, wenn das Wetter schlecht ist und es anfängt zu schneien. Bei uns war zum Glück alles gut und wir hatten nicht einmal Regen.
Für mich war die Erfahrung Kilimanjaro die ersten Tage (wenn man vom Summit Day und den Symptomen der Höhe absieht) eine „touristische Wanderung“. Auch, wenn es mir nicht gut ging, kann ich jedem nur empfehlen ein Trekking zum Dach Afrikas zu machen. Es ist ein unglaubliches Abenteuer, welches man niemals vergessen wird und von dem man noch seinen Enkeln erzählen kann.

Bei Anregungen und Fragen hinterlasst mir gerne Feedback.

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7 thoughts on “Der Kilimanjaro und die Höhenkrankheit

  1. jessica says:

    Hy. toller ehrlicher Beitrag 🙂 . Mein Freund und ich haben vor kurzem auch die Reise zum höchsten Berg Afrikas gebucht. Bei uns geht es Im Februar los, und bereiten uns schon in kleinen Schritten vor. Wir haben jedoch noch den Mt. Meru zum akklimatisieren gebucht. Leider geht es mir wie dir, dass ich noch wichtige Prüfungen vor der Reise habe.
    Ich hoffe noch etwas mehr von deiner Reise lesen zu können. 🙂

    lg Jessi

    • Hey Jessica,

      vielen Dank für deinen Kommentar 🙂 Oh das klingt großartig. Vielleicht bin ich auch im Februar in Moshi 🙂 Das wäre ja lustig! Welche Route habt ihr gewählt? Ich denke, den Meru vorher zu machen, ist eine gute Entscheidung gewesen. Dann seid ihr sich richtig gut akklimatisiert und müsst euch hoffentlich – nicht wie ich – so quälen 😉

      Ich schreibe zur Zeit noch an dem Bericht zum Mt. Meru und werde ihn sobald er fertig ist, veröffentlichen.

      Viele Grüße Stefanie

  2. Hallo,
    das reizt mich auch noch und lese gerne Erfahrungen über die Besteigung. Mal schauen, ob ich das auch noch mache. Einen Eindruck habe ich von deiner Besteigung jetzt.
    Lg
    Thomas

    • BlondeForAdventure says:

      Hallo Thomas, ich kann es dir sehr empfehlen 🙂 und wünsche dir viel Erfolg und vor allem Spaß, wenn du es machst. Bei Fragen, melde dich gerne. Liebe Grüße
      Stefanie

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