Kilimanjaro Teil 1

Oktober 2016

Das Abenteuer Kilimanjaro 

 

 

 

Ein Trekking auf das Dach Afrikas – Hochalpine Erfahrung oder doch eher eine touristische Wanderung?

 

Teil 1

 

Welche Voraussetzungen sollte man haben um den Kilimanjaro zu besteigen?

2015 erfuhr ich von Bekannten das erste Mal, dass man den Kilimanjaro im Rahmen einer Tour besteigen kann. Bis dato hatte ich mich noch nicht mit Tansania als Reiseland befasst und mehrtägige Trekkings waren absolutes Neuland für mich. Meine zwei Freundinnen und ich hatten kaum Wander- oder Bergsteigererfahrungen – vor allem nicht in diesen Höhenlagen.

Der Gedanke ließ mich dennoch nicht los. Die Vorstellung davon, auf dem höchsten Berg Afrikas zu stehen und das Kribbeln in meinem Bauch beim Gedanken daran, waren für mich ausschlaggebend.

Ich MUSSTE da hoch!

Wir buchten die Tour über Wikinger Reisen. Diese Reiseagentur hatte Trekking Reisen im Angebot mit flexiblen Startterminen und individuellen Gruppengrößen. Wir wollten uns keiner Reisegruppe anschließen, daher war das Angebot wie für uns gemacht. Auf Wikinger Reisen kamen wir durch Freunde, die die Reise 2015 erfolgreich gemeistert hatten und nur so davon schwärmten. Der Reiseveranstalter ist absolut zu empfehlen, die Vorbereitung und Begleitung der Reise ist spitze! Man fühlt sich sehr gut aufgehoben. Wir hatten zu jeder Zeit einen Ansprechpartner, der z.B. selbst auch schon ein Trekking am „Kili“ – so wird der Berg liebevoll genannt – gemacht hatte.

Zur Vorbereitung kann man so viel sagen: Das Leben spielt manchmal verrückte Karten. Ich sowie eine Freundin hatten eine wichtige Prüfung, die uns noch vor der Reise bevorstand. Das führte dazu, dass die Zeit, sich körperlich und aktiv vorzubereiten relativ eingeschränkt war.

Wir planten immer mal wieder Ausdauertraining in den Terminkalender ein, aber aufgrund unserer Verpflichtungen war die Vorbereitung letztendlich eher moderat. Uns wurde bestätigt, dass am Kilimanjaro weniger die körperliche Fitness, sondern mehr die mentale Stärke sowie die innere Einstellung im Vordergrund steht. Wir versuchten uns so zu beruhigen.

„Ich packe meinen Koffer“

das gepackte Equipment

Gut vorbereitet haben wir uns in Bezug auf das Equipment, welches wir am Berg benötigten. Geeignete Wanderschuhe (ich hatte diese von der Marke Lowa)haben wir im örtlichen Globetrotter gekauft. Ein warmer Schlafsack musste her, der mindestens auf eine Komfortzone von -5 Grad, besser -10 Grad ausgelegt sein sollte. Da man mehrere Vegetations- und Klimazonen durchwandert, benötigt man von leichter und kurzer Kleidung bis hin zu warmer Funktionskleidung einen gut durchdachten Mix. Wir starteten bei 25-30 Grad mit kurzer Hose und T-Shirt bekleidet unsere Tour. Schon am zweiten Tag war es notwendig eine lange Softshellhose sowie eine Fleecejacke anzuziehen.

Tagsüber, solange die afrikanische Sonne scheint, kann es noch so warm werden, dass man nur ein Langarmshirt benötigt. Sobald die Sonne jedoch untergegangen ist, wird es schnell bitterkalt und man zieht sich dankbar in das schützende und wärmende Zelt zurück. Sehr zu empfehlen für die kalten Nächte sind Rettungsdecken. Wir haben sie zur Isolierung unter und über unsere Schlafsäcke gelegt um uns über Nacht warm zu halten.

Außerdem sehr bewährt haben sichTrekkingstöcke, die zum einen in der Gipfelnacht und beim Abstieg hilfreich sind, zum anderen auch während der anderen Tage die optimale Körperhaltung und Atmung unterstützen.

Mit zunehmender Höhe wird der Sauerstoffanteil der Luft geringer. Um den Körper also weiterhin mit genügend Sauerstoff zu versorgen, ist die ungehinderte Atmung daher besonders am Kilimanjaro sehr wichtig.

Eine ausführliche Packliste zur Kilimanjaro Tour findet ihr hier auf meinem Blog.

 

Auf’s Dach Afrikas in 6 Tagen? Traum oder Realität?

 

Anfangs war dieser Trip sehr unwirklich für mich, „Machen wir das WIRKLICH?“, habe ich mich immer und immer wieder gefragt.
Der Kilimanjaro ist mit seinen 5.895m der höchste Berg Afrikas und liegt in Tansania. 1987 wurde die Berglandschaft von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Unser erstes Ziel war die Stadt Moshi, die am Fuße des Kilimanjaro liegt und Ausgangspunkt für eine Besteigung ist.

 

 

Die Wahl der Route oder „die Qual der Wahl“

 

Wir hatten uns für die Rongai Route entschieden. Diese umfasst 6 Tage und führt von Norden auf den Gipfel – den „Kibo“. Die Unterbringung erfolgte in Zelten. Sie wird von weniger Bergsteigern begangen und gilt als leichtere Route auf den Gipfel.

Insgesamt gibt es 6 Routen, die auf den Kibo führen. Die beliebteste Route ist die Marangu Route, die auch als „Coca-Cola Route“ bezeichnet wird. Diese Route gilt als die leichteste und bietet die Möglichkeit, in Hütten zu übernachten.

Landschaftlich abwechslungsreicher müssen die Lemosho Route sowie die Machame Route sein. Die Lemosho wird meistens in 7 bis 9 Tagen durchgeführt und bietet dadurch eine gute Akklimatisierung und somit einen recht hohen Gipfelerfolg.
Die Machame wird als „Whiskey Route“ bezeichnet, ist technisch anspruchsvoller als die Marangu, wird jedoch sehr häufig begangen. Die Unterbringung erfolgt auf beiden Routen in Zelten.

Weniger begangen, aber nicht zu vergessen sind die Umbwe-, die Shira- und die Mweka Route.

 

 

Wir hatten zwei Guides und für jeden Bergsteiger 3 Porter, die unsere Zelte, unser Hab und Gut sowie Verpflegung bis zum Base Camp auf 4.700m Höhe schleppen sollten. Das bedeutete auch, dass wir lediglich unseren Daypack zu tragen hatten, der mit Wechselkleidung, Energy Riegeln und Wasser ausgestattet war. Außerdem gab es einen Koch, der für unsere Verpflegung zuständig war. „Welch ein Luxus“, denkt bestimmt der ein oder andere. Und es stimmt ein wenig: Man wird mit tollem Essen versorgt. Wir fühlten uns zwischenzeitlich förmlich gemästet. 3-Gänge Menüs, bestehend aus Suppe, ein auf Kohlenhydraten basierender Hauptgang und als Nachtisch Obst waren mittags und auch abends Standard. Zwischendurch gab es jeden Tag zusätzlich noch Erdnüsse und Popcorn.

 

Übrigens: Eine Besteigung des Kilimanjaro auf eigene Faust, ohne ortskundigen Bergführer und Träger, ist nicht erlaubt. Der Kilimanjaro Nationalpark schreibt die Begehung durch eine ortsansässige Agentur vor. Somit soll sowohl Sicherheit gewährt, als auch den Einheimischen Arbeit garantiert werden.

 

Die Etappen

In Moshi angekommen, checkten wir in unser Hotel ein. Der Nachmittag stand, nach einem kurzen Kennenlernen unseres Guides, zur freien Verfügung. Wir verbrachten ihn mit einem kühlen Kilimanjaro Bier am Pool. Trotzdem sind wir früh schlafen gegangen um am nächsten Tag fit in den Tag zu starten. Die nächsten 6 Tage sollten es in sich haben.

WIR STARTEN !!!!!!

Am ersten Tag ging es per Bus auf eine Höhe von knapp 1.800 Metern. Dort liegt das Rongai Gate, unser Ausgangspunkt für das Trekking. Wir starteten im Regenwald und absolvierten am gleichen Tag unsere ersten 1.000 Höhenmeter, bis wir unser erstes Camp – das Simba Camp- auf 2.762m erreichten.

Simba heißt auf Kisuaheli übrigens „Löwe“.

Der Spruch „Imara kama simba“ (engl: „strong like a lion“) wurde im Nachhinein zu unserem Motto. Und es stimmt – du bist definitiv „imara kama simba“, wenn du diesen Berg erfolgreich bestiegen hast.

Weiter ging es über das First Cave Camp (3.300m), zum Second Cave Camp (3.800m), bis wir letztendlich das Base Camp namens „Kibo Hut“ auf 4.700m Höhe erreicht haben. Die Landschaft änderte sich schnell von üppigem Regenwald, zu karger Moorlandschaft bis wir zum Schluss durch eine Mondlandschaft wanderten.

 

 

Täglich liefen wir zwischen 4-5 Stunden. Zusätzlich zu den Tagesetappen unternahmen wir nachmittags Akklimatisationswanderungen um den Grundsatz „climb high, sleep low“ gerecht zu werden und eine optimale Höhenanpassung zu gewährleisten.

Die letzte Etappe unserer Route führte vom Basecamp zum Uhuru Peak auf 5.895 m. Das waren weitere 1.200 Höhenmeter, die es zu bewältigen galt. Von dort an ging der Weg nur noch steil bergauf. Der Plan unseres Guides war zum Sonnenaufgang den Gilman’s Point auf 5.685 m zu erreichen. Der Gilman’s Point ist der erste Punkt auf dem Kraterrand. Ab diesem gilt der Kilimanjaro offiziell als bestiegen. Wenn man es also bis dorthin geschafft hat, kann man sich glücklich und stolz Bezwinger des Berges nennen und erhält am Ende der Tour eine Urkunde ausgehändigt. Von dort führte der Weg weitere 200 Höhenmeter über den Stella Point bis hin zum Uhuru Peak, dem höchsten Punkt Afrikas.

Der Abstieg führte uns zunächst zurück zur Kibo Hut. Dort durften wir für eine Stunde schlafen und konnten eine Kleinigkeit essen, bis wir weiter bis zur Horombo Hut auf 3.725 m absteigen mussten. Gegen Abend erreichten wir völlig fertig mit der Welt die letzte Hütte, in der wir übernachten sollten. Die Horombo Hut liegt nicht mehr auf der Rongai Route. Der Abstieg führt über die Marangu Route bis zum Marangu Gate.  Am 6. und letzten Tag wanderten wir bis zu jenem Gate, welches gleichzeitig der Startpunkt der Marangu Route ist. Dort angekommen gönnten wir uns das kühlste und leckerste Kilimanjaro Bier, dass wir je getrunken hatten.

Welcome to Kibo Hut

 

 

 

 

Lest jetzt den 2. Teil meines Kilimanjaro Berichts, in dem ich auf die Symptome der Höhenkrankheit eingehe

 

 

 

9 thoughts on “Kilimanjaro Teil 1

    • BlondeForAdventure says:

      Ich danke dir Esther, kann ich dir nur empfehlen und Tansania im Allgemeinen! Melde dich gerne bei mir, wenn du konkrete Pläne hast, dann bekommst du Insider Tipps 😉

  1. Ich würde die Coca Cola Route nehmen, als du die Rettungsdecke erwähnt hast, war ich raus. 😂😂 Wahnsinn, wie spannend das gewesen sein muss! Ich bin so beeindruckt und will jetzt noch mehr da oben rauf. Es gibt echt zu viele schöne Berge, auf die ich gerne alle mal möchte 😍😍

    • Hey Silja,

      mach es unbedingt – es ist eine wahnsinnige Erfahrung und auch, wenn es mir nicht so top ging, kann ich es absolut empfehlen 🙂 Falls du Hilfe bei der Planung brauchst, schreib mir gerne. Liebe Grüße, Steffi

    • Bezüglich der Rettungsdecken: Nachts habe ich nicht einmal gefroren. Der Schlafsack war echt spitze (ausgelegt auf -5Grad Komfortzone) und konnte dementsprechend immer durchschlafen. Die Rettungsdecken waren für uns quasi ein I-Tüpfelchen. Nur die Gipfelnacht war etwas fies von der Kälte 😉 Liebe Grüße

    • BlondeForAdventure says:

      Ach – könnte ich, würde ich sofort zurückfliegen! Tansania ist toll und nur zu empfehlen. In der nächsten Zeit wird hier noch viel über Tansania kommen 🙂 Wiederkommen lohnt sich.

      Viele Grüße Stefanie

  2. Melina says:

    Hallo
    Ich hab niemals darüber nachgedacht den höchsten Berg Afrikas zu besteigen.
    Jetzt ist er aber definitiv auf meiner Liste wenn es bei mir heißt: einmal um die Welt!
    Danke für deine Inspirationen und Erfahrung.
    LG Melina

    • Blonde for Adventure says:

      Hallo Melina! Vielen lieben dank für deinen Kommentar! Du bist die erste ☺😃
      Ich freue mich daher gleich doppelt so sehr, dass ich dich mit meinem Bericht inspirieren konnte !! Falls du Fragen zu Tansania hast, kannst du dich jederzeit bei mir melden.
      Viele Grüße
      Stefanie

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